Thiviers

30 Jahre partnerschaftliche Beziehungen zwischen Thiviers und Östringen

 

Vom 12. Bis 16. September weilte eine Abordnung der Stadt Östringen in unserer französischen Partnerstadt. Neben Mitgliedern des Fotoclubs und Schülern des Leibniz-Gymnasiums nahmen auch mehrere Mitglieder des Gemeinderats aus allen Fraktionen an der Reise teil. Auch 3 von 4 Stadträten der Unabhängigen Liste waren mit von der Partie. Heidi, Klemens und Brigitte, die alle bereits mehrfach in der Dordogne weilten, allesamt der französischen Sprache mächtig sind und somit die städtische Abordnung sowohl sprachlich als auch zahlenmäßig würdig vertreten konnten.

Beim offiziellen Empfang durch den Bürgermeister von Thiviers, Pierre-Yves Couturier, überbrachte Heidi zusammen mit der ersten Bürgermeisterstellvertreterin Ursula Neckermann in perfektem Französisch die Grüße von Felix Geider, der bei diesem Besuch leider verhindert war. Als Gastgeschenk überreichten beide einen in der Karlsruher  Künstlerporzellanmanufaktur Majolika angefertigten blaugrün schimmernden und äußerst kreativ gestalteten Globus , der die Freundschaft der Völker Europas sowie die Zusammengehörigkeit und Verantwortung aller Menschen für unseren Planeten perfekt symbolisiert.

Die Gastgeber sind allesamt Mitglieder und Freunde des ATECI (eines Zusammenschlusses von Freunden der Städtepartnerschaften). Diese Vereinigung begleitet und unterstützt seit über 40 Jahren sowohl schulische als auch vereinsgebundene Austausche. Routiniert hatten sie ein überaus ansprechendes und abwechslungsreiches Besuchsprogramm zusammengestellt. Wir durften mit Ihnen die weltberühmten vor circa 20.000 Jahren entstandenen Höhlenmalereien in Lascaux IV ausführlich bestaunen und mit Blick auf frühzeitliche Steinbehausungen unter den Felsenwänden des Flüsschens Vezère königlich speisen. 

Der obligatorische Besuch auf dem von südfranzösischem Flair geprägten Wochenmarkt am Samstagvormittag zeigte uns die Wichtigkeit Thiviers als gesellschaftlichem und kommunikativem Mittelzentrum der Region. Obwohl die in Zentralfrankreich liegende ländlich geprägte Gemeinde im Laufe der letzten Jahrzehnte den Verlust von über 1000 Einwohnern zu verkraften hatte, verlor sie nicht ihre Bedeutung als infrastruktureller Knotenpunkt und sozialer Anker der Gegend. Ein wichtiges Fest der 2.600 Seelengemeinde ist die alljährlich im September stattfindende Landwirtschaftsmesse (le comice agricole). Dort konnten wir uns mit eigenen Augen von nachhaltiger Bewirtschaftung und Regionalität der präsentierten Waren überzeugen. Wettbewerbe wie Heuballenhochwurf und Ferkelrennen erheiterten unsere Gemüter, kulinarische 5-Gänge-Menüs stellten unsere Essgewohnheiten auf den Kopf und Landmaschinenwettbewerbe, bei denen mit der Pflugschar ein abgestecktes Feld möglichst regelmäßig und passgenau gewendet werden musste, verschafften uns Einblicke in unterschiedliche Lebensweisen und Mentalitäten der Landbewohner. Überall wurden wir freundlich aufgenommen und es wurde alles getan, damit wir alle im Sinne unserer weitsichtigen deutsch-französischen Politiker der Nachkriegszeit, Charles de Gaulle und Konrad Adenauer, echte Freunde werden konnten.

Neben der städtischen Abordnung des Gemeinderats trug der Fotoclub Östringen mit einer eigens für das 30jährige Partnerschaftsjubiläum zusammengestellten Ausstellung seiner Werke zum Gelingen der Reise bei. Schüler des Leibniz-Gymnasiums stellten zudem sehr erfolgreich auf der Landwirtschaftsmesse das Äpfeleprojekt der Schule vor. Hierbei boten sie den interessierten Messebesuchern Kostproben von Apfelsaftschorle an und hatten dadurch Gelegenheit, ihre französischen Sprachkenntnisse im unmittelbaren Kontakt mit der heimischen Bevölkerung anzuwenden und zu vertiefen.  

Essen wie Gott in Frankreich, dies war dank der Bemühungen des ATECI für unsere Delegation eine willkommene Betätigung. Der Périgord ist für seine kulinarischen Spezialitäten weltberühmt und auch unsere täglichen ausschweifenden Menüs enthielten alle Köstlichkeiten, die der Landstrich zu bieten hat: Gänseleberpastete (Foie gras), Rinderzunge auf Kapern-Senfsauce, Entenbrust, Cassoulet –weißer Bohneneintopf mit verschiedenen Fleischsorten – und viele Spezialitäten mehr wurden bei den zuweilen bis tief in die Nacht sich ausdehnenden Festmahle gereicht und keiner konnte aufstehen bevor nicht die obligatorische Käseplatte, verschiedene Desserts und der abschließende Kaffee oder auch der ein oder andere Digestif die Runde gemacht hatte. Natürlich rundeten die jeweils dazu passenden Apéritifgetränke, Sekt und verschiedene französische Weinsorten die Mahlzeiten perfekt ab.

 

Bei der Pflege neuer sowie gewachsener Freundschaften wurden Ideen für zukünftige Austauschprojekte geboren. Sowohl für musikalische als auch für sportliche Projektideen fanden sich Ansprechpartner, mit denen die Annäherung der Bewohner unserer beiden Gemeinden wieder wird voranschreiten können. So lässt sich zum Schluss noch formulieren, dass es einerseits zwar wichtig ist, unterstützt durch die Stadtverwaltung und uns als Gemeinderäte die Kontakte immer wieder zu halten und zu pflegen, aber andererseits ein gemeinsames Europa nur dann gelingen kann, wenn möglichst viele Menschen die Möglichkeit des Austauschs nutzen und sich dabei  ihre kulturellen Besonderheiten einander näherbringen. Wenn Freundschaften entstehen, Unterschiede dabei respektiert werden oder sogar als spannend und horizonterweiternd erlebt werden, nur dann kann ein dauerhaftes friedliches Zusammenleben der Menschen in Europa und auf der ganzen Welt gelingen. (B. Baumgartner)

         Ansicht von Thiviers, Bürgermeisterempfang: Heidi erklärt in perfektem Französisch dem Amtsinhaber Pierre-Yves Couturier die Bedeutung und Herkunft des Gastgeschenks, ULi-Reisende vor den steinzeitlichen Behausungen an der Vézère

      Die ganze städtische Abordnung mit Gastgebern vor Lascaux IV

         Äpfeleprojekt des LGÖ auf der Landwirtschaftsmesse (mit Bürgermeister, Landräten und Stadträten)